Mockau Post 
(Auszüge)


Mama hat geweint und jetzt fährt sie Fahrrad. Papa ist schon vor. Ich sitze hinten auf dem Kindersitz und wir fahren die Kastanienallee entlang durch den Park. Die unteren Äste hängen voller Kastanienigel.
»Stimmt’s, bald werden die Blätter braun?«, frage ich.
Mama antwortet nicht. Ihr schwarzes Kleid mit den orangenen Blumen drauf flattert im Fahrtwind.
»Mama, der Mond!«, rufe ich, aber wieder keine Antwort.
Die Sonne scheint und der Mond ist weiß wie eine Wolke. Das Fahrrad klappert und wir fahren am Reiterhof entlang und am Schloss und über die Parthe. Immer schneller und schneller fahren wir den Hügel runter, an den Gärten vorbei, aber der Mond steht immer an derselben Stelle.

[...]

Wir laufen durch die Kleingartenanlage und die Musik wird leiser. Hannah erzählt von ihrer neuen WG in Connewitz, in die sie bald einzieht und über den Stress mit ihrer Mutter und streicht ab und zu mit den Händen über irgendwelche Pflanzen, die über die Gartenzäune wachsen. Über uns scheint der Vollmond und dann sind wir plötzlich auf der Göteborger Straße und laufen Richtung Thekla, am Autohaus vorbei und über die Parthe. Im Gehen drehe ich mir eine Zigarette und noch eine und stecke mir beide hinter die Ohren, eine links und eine rechts. Nach ein paar Minuten stehen wir an der Theklaer Kirche, die aussieht wie eine Burg, mit wuchtigen Mauern aus Feldsteinen und kleinen Fenstern. Der Kirchturm ist von einem Gerüst umgeben.
»Da hoch? Haste Bock?«, fragt Hannah.
Wir klettern über das Tor und laufen einmal um die Kirche herum, um einen Zugang zum Gerüst zu finden. Überall stehen Grabsteine und an einer Stelle brennt sogar ein Grablicht. Ich muss kurz an mein erstes Kiffererlebnis denken mit der Heinrich und Golfi auf dem alten Mockauer Friedhof und dann bleibe ich vor einem kitschigen schwarzen Grabstein mit Goldrand und zwei gefalteten Händen darauf stehen.
»Edda Petzold«, lese ich, »Scheiße, die war fast hundert. So alt will ich nie werden.«
»Und ich will nie Edda heißen.«

[...]

Die Luft ist voller Nebel und durch die prasselnden Duschen höre ich Raschke quieken. Er hat sich seinen Schwanz zwischen die Beine geklemmt, sodass da nur ein schwarzes Dreieck mit Schamhaaren zu sehen ist.
»Seht meine Muschi an«, sagt er und dann krault er sich die Brüste, »und meine Titten.«
Die einzige freie Dusche für mich ist ganz hinten rechts, also Raschke direkt gegenüber.
Raschkes Männerbrüste sehen wirklich aus wie kleine Titten. Darunter wölbt sich sein behaarter Bauch in die Duschraum. 
»Was’n das für’n Kindergarten?«, ruft Steve und klingt belustigt, »da schießt du einmal das Siegtor und dann drehst du komplett am Rad oder was?«
Raschke lässt seine Hüften kreisen.
»Uuuh, uuuh, uuuh«, stöhnt er mit hoher Stimme, »Seht meine Muschi an.«
Die anderen johlen. Murat kommt auf Raschke zugerannt und umarmt ihn. Auf seinem Arsch sind noch viel mehr Haare als auf Raschkes Bauch.
»Uuuuh jaa, fick meine Muschi«, sagt Raschke.
Murat hält Raschke jetzt an den Hüften und macht Fickbewegungen. Beide stöhnen im Takt und das Johlen wird immer lauter.
»Von hinten! Von hinten!«, ruft Adel neben mir und Raschke dreht sich mit dem Rücken zu Murat. Dann geht es weiter und beide machen wieder Fickbewegungen.
Da kommt Golfi rein, legt sein Handtuch ab und beginnt zu duschen. Im Gegensatz zu Raschke und Murat hat Golfi fast keine Haare am ganzen Körper, genau wie ich. Nur ist Golfi superschlank, sodass man seine Bauchmuskeln sehen kann. Als er sich in den Raum dreht, sehe ich kurz auf seinen Schwanz, der genauso lang ist wie meiner, aber ein ganzes Stück dicker. Schnell drehe ich mich zur Wand. Das Bild von Golfis nacktem Körper und seinem Schwanz bleibt in meinem Kopf stehen und sofort muss ich an Hannah denken. Mir wird heiß. Die beiden waren zusammen baden und im Bett. Golfis dünner Körper und Hannah. Ich stehe regungslos unter der Dusche und lasse das warme Wasser über meinen Kopf strömen. Ich verschwinde hinter einem Vorhang aus Wasser. 

[...]